Stephan für Robert, bitte kommen!

„Weißt Du, wer gerade den kleinen Stapler hat?“ eine einfache Frage im Alltag der Stommel Haus GmbH – Holzhaus-Manufaktur. Eine von Hunderten, bevor wir ein grundlegendes Problem gelößt haben. Eines, dass in vielen Unternehmen bekannt ist. Wir suchen – eine der größten Verschwendungen, die man sich nur leisten kann. Wir suchen Kollegen, Werkzeuge, Informationen oder einfach nur das notwendige Material. Klar, wir haben Telefon, Warenwirtschaftssystem oder zwei gesunde Füße, jedoch kostet Suche Zeit und damit Geld. Geld, dass der Kunde gerne für wertschöpfende Tätigkeiten ausgeben möchte.

Gerd meint: „Die bei Aldi haben doch auch so ein Knopf im Ohr?!“ Woraufhin einige Kollegen einfach mal nachgefragt haben. Viele gute Ideen, erhälst Du in fremden Branchen. Genau wie die notwendigen Informationen und Erfahrungen. Alle Kollegen im Supermarkt sind miteinander verbunden und können hören, was vorher über die Lautsprecher durchgesagt wurde. Das fanden wir äußerst interessant, da es ein grundlegendes Problem in der betrieblichen Kommunikation lösen kann. Also haben wir die Funkgeräte meiner Kinder benutzt, um die Reichweite und Sprachqualität zu testen. Man kann sicherlich auch viel Geld für Betriebsfunk ausgeben, jedoch besagt ein wichtiges Prinzip, dass man Probleme nicht mit dem Geldbeutel, sondern mit dem Kopf lösen soll.

Die Tests haben funktioniert, also wurden einige Geräte für den Hobby Bereich angeschafft. Genug um alle Schnittstellen der Produktion miteinander zu verknüpfen. Wie man richtig funkt, das konnten uns unsere Kollegen von der freiwilligen Feuerwehr sehr gut beibringen. „Stephan für Robert, bitte kommen! Robert hört.“

Seit dem Tag ist es so, dass alle Hallen und Teams der Manufaktur miteinander verbunden sind. Auch die Produktionsleitung, der Disponent und die Logistik sind im Betriebsfunk. Alle funken auf einem gemeinsamen Kanal, da so immer alle, quasi, in einem virtuellen Raum sind. Hat jemand eine Frage, stellt er sie dem Kollektiv und der Wissende gibt eine Antwort. Darüber hinaus, Kann ein Gespräch von allen verfolgt werden, so werden oft Informationen sinnstiftend ergänzt. Viele Aktionen können so durch die Kollegen wertschöpfend miteinander verknüpft oder verschachtelt werden. Bespiel: Ein Kollege benötigt ein Teil aus dem Lager und fragt es in der Logistik an. Ein weiterer Kollege ist seinerseits schon auf dem Weg ins Lager, um ebenfalls ein Teil für sich zu holen. Der Logistiker, der jetzt seine aktuelle Arbeit unterbrechen müsste, da Zeitdruck vorherrscht, kann unterbrechungsfrei weiterarbeiten, da der bereits gestartete Transportprozess des zweiten Kollegen einfach nur um das Teil des ersten Kollegen ergänzt wird. Kurze Absprache, wann das Teil wo gebraucht wird und schon hat man einiges an Zeit und Kundenkapital gespart, beziehungsweise den disruptive spontanen Prozess wertschöpfend eingegliedert. Natürlich kann man durch die Planung der gesamten Wertschöpfungskette solche Prozesse planen, doch das ist nicht einfach.

Der Betriebsfunk ist flexibel und hat sich in kürzester Zeit an die Bedürfnisse angepasst. Er wird so genutzt, wie er von den Kollegen benötigt wird. Kein Zwang, sondern Nutzen. Das sorgt für die notwendige Akzeptanz und führte zur Bereitschaft sich auch über andere Verbesserungen Gedanken zu machen.

Die Kosten für den Betrieb des Betriebsfunk belaufen sich bislang unter 1000 Euro. Löse die Probleme mit dem Kopf, nicht mit dem Geldbeutel.

Für genaue Informationen und Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung:

Stephan Löttgen

Stommel Haus GmbH

s.loettgen@stommel-haus.de

Persönlichkeitsentwicklung statt Karriere (priomyCAST)

Ein wirklich sehr guter Beitrag von den Machern des PriomyCAST. Stell Dir vor, Du tauscht Deine Lebenszeit nicht gegen Geld, sondern gegen die Möglichkeit Deine Persönlichkeit zu entwickeln. Das Geld, dass Du eingetauscht hast, nutzt Du in der Regel dazu Wohlstand zu erwerben. Die Dinge, die Du nicht konsumierst, oder verbrauchst, die gehen irgendwann kaputt. Daher ist alles, was Du gegen Zeit eintauscht vergänglich und irgendwann nicht mehr da. Wenn Du jedoch Deine Persönlichkeit entwickelst, dann kann Dir das niemand mehr nehmen. Dein Leben bekommt einen Mehrwert, bzw. Du erhälst eine für Dich relevante Weiterentwicklung. Fortbildungen sind gut, dienen jedoch mehrheitlich dem Unternehmenszweck. Persönlichkeitsentwicklung dient Dir und Deiner Gesundheit, Zufriedenheit und Deinem persönlichen Glück. Ganz nebenbei erhält Dein Arbeitgeber einen vollständigen, eigenmotivieren, karakterstarken Menschen, bei dem der Begriff „Mitarbeiter“ tatsächlich wieder einen Sinn ergibt.

Momo und die grauen Männer, in Michael Endes Geschichte, sind eine brillante Art unser aktuelles Debakel darzustellen.

Danke für den tollen Beitrag!

Willkommen im „Tal der Tränen“…

Da hat man als Unternehmen einen mutigen und ambitionierten Start hin gelegt. Hat einen Umbruch beschlossen und den größten Teil der Belegschaft ins „Boot“ geholt. Die richtigen Ansätze gefunden, um alte Gewohnheiten gemeinsam zu bekämpfen und das ständigen „Unternehmens-Diäten-Jojo“ durch eine nachhaltige Weiterentwicklung der Organisation ersetzt. Alle haben das Gefühl sie könnten, sprichwörtlich, Bäume ausreißen. Das Betriebsklima hellt ungemein auf und die Kommunikation blüht, als wäre Frühling in allen Teams. Kurz gesagt, es läuft!

So sollte man zumindest annehmen. Und im Endeffekt tut es das auch, jedoch gibt es immer genug Kollegen, denen das nötige Vertrauen fehlt. Diese Kollegen haben das Gefühl, dass es nur noch schlimmer wird. Sie sehen vor lauter „Baustellen“ kein Ziel mehr in Sichtweite. „Wir reden und reden und es passiert trotzdem nichts.“ oder „Warum machen wir nicht erstmal so weiter wie bislang, wenigstens so lange bis der Zeitdruck und der Stress wieder weg sind?!!“ Gut, es ist nicht einfach damit um zu gehen, hat jedoch auch niemand behauptet. Diese Umstände sind nicht erst seit Gestern vorhanden, der digitale Wandel, die Veränderung der Gesellschaft und mit ihr auch die der Kundenanforderungen. Der Markt und die damit verbundenen Menschen erfordern das.

Es ist genau dieser permanent andauernde Zeitdruck und der unerträgliche Stress, der die Geschäftsführung dazu bewegt hat, mutig ein Umdenken zu erwirtschaften. Ja genau, erwirtschaften! Wer meint, ein solcher Wandel im Unternehmen kommt so locker und lässig im „Google-Ruder-Boot-Lounge-Büro“ daher, der hat sich mächtig verkalkuliert! Nein, es bedarf einen großen Aufwand und immense Anstrengungen, gleich ob finanziell oder zwischenmenschlich. Garantiert kein Spaziergang.

Schauen wir mal auf eine ähnliche Situation. Man hat sich vorgenommenen das Rauchen endlich aufzuhören. Der Beschluss steht und wird nach dem lesen einiger lehrreicher Bücher und dem wirklich gut durchgeführten Hypnose-Kurs in die Tat umgesetzt. Brilliant erkannt, hat man die Prinzipien von Tag eins des Nichtraucher-Daseins an geändert. Man hört nicht irgendwie sechs Monate lang mit dem Rauchen auf, sondern ist von Tag eins an ein Nichtraucher. Soweit, so gut. Jetzt kommen aber die alten Gewohnheiten um die Ecke gebogen. Gesellschaft, ein leckerer Drink, die Pause nach einem stressigen Vormittag. Man verspürt ständig dieses Verlangen. Ist irgendwie nicht so einfach, wie man sich das Eingangs vorgestellt hat.

Willkommen im Tal der Tränen! Ja, irgendwie sehr theatralisch, jedoch hat sich diese Bezeichnung in der Lean-, Agil- und Change-Szene etabliert. So nennt man oft die Phase, in der manchen Kollegen, einfach mal den Mut verlieren und das Gefühl bekommen, da muss man jetzt wieder zu den „bewehrten“ alten Mitteln greifen. In alte und bekannte Muster zurück fallen. Das vermittelt kurzfristig Sicherheit, doch hilft es nachhaltig?! Mir persönlich, läuft es bei jedem dieser Anflüge, eiskalt den Rücken herunter. Zu Anfangs habe ich jedes mal panisch reagiert und reflexartig alles herunter „gebetet“, was mir an Prinzipien und Mutmachern eingefallen ist. Man sollte diese „Panik Attacken“ nicht ignorieren, da sie mitunter eine zerstörerische Eigendynamik entwickeln können. Solange der Geschäftsführer jedoch einen kühlen Kopf behält und seiner Mannschaft das nötige Vertrauen schenkt, ist alles auf einem guten Weg. Auch ich bin da entspannter geworden. Noch niemand hat seine Ernährung umgestellt ohne Heißhunger-Attacken oder das Rauchen ohne „Schmacht“ besiegt. Es ist in der Regel eine Sucht, die man in den Griff bekommen muss. Egal ob es Heroin, Computer-Spiele, Nikotin, Smartphones, Facebook, Alkohol oder im schlimmsten Fall „weißer“ Zucker ist, wir neigen zur Abhängigkeit. Weil es uns kurzfristig Glück beschert. Aber langfristig zerstören diese Dinge unsere Gesundheit. Wir müssen, wollen wir sie in gesundem Maße nutzen, erlernen sie nur dann zu nutzen, wenn sie Sinn machen. Oder wir verzichten ganz. Ich habe Bekannte, die seit Jahren auf Geburtstagen oder zu einer Hochzeit mal ein „Zigarettchen“ rauchen. Kein Problem, sie beherrschen das. Ich versuche weitestgehend auf weißen Zucker zu verzichten, warum jedoch nicht mal ein Schokoriegel essen?! Kein Problem. Ich verfolge weiter meine Linie in Sachen Ernährung.

Wenn wir das auf den Umgang mit alten Gewohnheiten im Management unserer Unternehmen transportieren, dann stellt sich mir die Frage: Wann macht die Anwendung von alten Gewohnheiten vielleicht doch einen Sinn? Eigentlich ganz klar! Immer dann, wenn eine Situation vorherrscht, in der die Angewohnheit schon mal erfolgreich angewendet wurde. Wir neigen jedoch schnell dazu, die Dinge zu verallgemeinern. Was für das eine Problem eine Lösung ist, kann richtig angewendet, für alles eine Lösung sein. So, oder ähnlich denkt man dann gerne mal. Schnell reagieren wir gereizt und verlieren die Geduld. Wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, dann ist die Gefahr sehr groß, dass wir das Vertrauen in uns und unser Handeln verlieren.

Immer wenn jemand um mich herum den Mut und das Vertrauen verliert, dann versuche ich ihn daran zu erinnern, warum er das alles schaffen kann. Wenn wir uns dann noch gemeinsam den Sinn vor Augen halten, dann mag das banal klingen, jedoch kann es Berge versetzten.

Wenn eines sicher ist, dann das nach jedem Tal ein Berg kommt. Jedoch muss uns auch klar werden, dass nach jedem Berg irgendwann wieder ein Tal kommt. So ist das Leben nun mal. Da werden wir immer wieder durch müssen. Die Frage ist, wie gehen wir damit um?

Der letzte Satz in Frederic Laloux’s Buch Reinventing Organizations ist eine alte Indianer Weisheit:

Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.

Das hat mich sehr beeindruckt, denn es macht mir klar, nur wir können das schaffen. Niemand kann uns dabei helfen, wir können uns nur selbst helfen. Wenn wir nicht bereit sind zu lernen, dann können uns andere viel erzählen. Nur wenn wir uns selbst das nötige Vertrauen schenken, werden uns auch andere Menschen vertrauen. Unsere Kunden, unsere Geschäftspartner und ganz besonders unsere Familien.

Im Dunkeln ist gut Munkeln! Spot on – Mut zum Fokus…

Seit 2016 laufe ich konsequent 2-3 mal in der Woche. Okey, es gibt auch zwei bis drei Wochen im Jahr, wo das nicht klappt. Was dazu jedoch notwendig ist, zur Winterzeit auch mal im Dunkeln die Schuhe schnüren. Die ersten Läufe im Dunkeln, waren eher komisch. Ich hatte mir eine Stirnlampe zugelegt, die sehr hell und breit in die Ferne schien. Ich dachte, je mehr ich sehe, je besser. Die Läufe waren immer mit einem mulmigen Gefühl verbunden, da ich hinter jedem Baum und an jeder Ecke etwas vermutete. Ich kam nicht, wie sonst, im sogenaten „Läufertunnel“ an. Das ist der Moment, wenn Du im Geiste völlig klar, nur noch läufst. Im Dunkeln, keine Chance! So dachte ich, bis die Lampe nicht mehr richtig funktioniert hat. Da habe ich mir kurz entschlossen eine preiswerte neue angeschafft. Die alte ließ sich leider nicht reparieren. Was in diesem Fall mein Glück war, denn diese Stirnlampe war anders. Das bemerkte ich auch erst als ich sie das erste Mal benutzte.

Ein kleiner ca. 1,20m großer Lichtpunkt direkt vor mir auf der Straße! Ich war geschockt. Wie sollte ich damit nur sicher Laufen? Mist, dann wäre ich fast umgekehrt. Nein, darauf habe ich mich den ganzen Tag gefreut! Nach unerwartet guten ca. 45 Minuten, war ich noch viel unerwarteter im Läufertunnel unterwegs! Wow, damit habe ich nicht gerechnet. Wie kam es dazu?! Im Läufertunnel ging mir ein Licht auf. Ich hatte mich durch den großen breiten Lichtkegel, bei der ersten Lampe, vollkommen ablenken lassen. Ich habe mich nur auf die Landschaft konzentriert, die im Dunkeln auch noch sehr angsteinflößend wirkt. Ich habe über Szenarien nachgedacht, die mich aus irgendwelchen Thrillern verfolgten. Kurz um, es ging nicht ums Laufen, sondern nur um Unsicherheit. Die neue Lampe gab nur den Teil der Straße frei, den ich sehen musste, damit ich nicht auf die Nase falle. Der Rest interessiert in dem Moment nicht.

Was habe ich daraus gelernt? Einfach das es manchmal wichtiger ist nur das zu sehen, was man gerade machen will. Auch im Job ist der Fokus oft sehr wichtig. Also versuche ich in solchen Situationen, alles andere auszublenden, damit ich der Aufgabe 100% Aufmerksamkeit zukommen lassen kann. In diesen Situationen gilt, wie auch beim Laufen im Dunkeln:

Weniger ist mehr…


Rückblick: 2 Second LEAN

Wer ist Paul Akers? Es gibt genug Menschen, die seinen Namen mal gehört haben. Es gibt auch viele, die seine Videos auf YouTube mal gesehen haben. Die wenigsten haben tatsächlich sein Buch „2 Second Lean“ gelesen. Die, die das Buch gelesen haben, haben sich mit etwas Mut auf den Weg gemacht. Sie haben weiter gesucht, nach mehr Beispielen, nach anderen Firmen, die sich auf den Weg gemacht haben. Sie haben vielleicht den Mut gehabt, Paul eine Nachricht zu schreiben. Ganz sicher haben Sie dann von Paul eine Nachricht zurück bekommen. Paul antwortet immer und immer persönlich.

Bei meiner Arbeit als Maschinenführer, bei Stommel Haus.

Ich habe als Zimmerer die Gelegenheit bekommen mich beruflich mit dem Thema „LEAN Production“ zu beschäftigen. Bei YouTube gibt man LEAN ein und die ersten zehn Treffer sind Videos von Paul oder im Rahmen von 2 Second LEAN. Also habe ich damit begonnen, einen Video-Marathon zu starten. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, jedoch waren es weit mehr als 30 Videos von, mit, oder über Paul Akers. Mein Englisch war ein wenig eingerostet, jedoch hat es ausgereicht um zu erfahren, dass Paul ein Buch geschrieben hat. Also habe ich bei Amazon nachgesehen was es kostet. Dort fand ich das Buch nur auf Englisch. Also schreibe ich Ihm, dass ich das Buch gerne auf Deutsch lesen würde. Seine Antwort, ca. 20 Minuten später, hat mich vollkommen aus den Socken gehauen!

„Guten Morgen Stephan, my book is in German. Here is the link to download it and you can contact Alex from Mercedes-Benz he has copies of it and I’m sure he can help you out.

Lean books 
Lean books <http://2secondlean.com/books>

Thanks
Paul“

Das Buch als gedruckte Version von Alexander Gärtner.

Das hat mich sehr beeindruckt und ich habe das Buch in dem Moment begonnen zu lesen, wo ich die erste Seite heruntergeladen hatte. Alles kostenlos! Wow, der Kontakt zu Alexander Gärtner von Mercedes Benz war super! Alex schickte mir einige Exemplare des Buches, dass er für Paul ins Deutsche übersetzt hat. Warum schreibe ich über diese Ereignisse, statt über den Inhalt des Buches?! Einfach, weil es dazu gehört. „2 Second LEAN“ ist weit mehr als nur ein Buch. Es ist eine Philosophie und ein weltweites Netzwerk von sehr großzügigen Menschen. Die keinen Wert auf externe Unternehmensberater oder Workshops legen. „Each one – Teach one“, jeder lernt von jedem.

Das erste Morgentreffen bei Stommel Haus.

Aber jetzt zum Buch selbst. Paul hat den Weg seiner Firma „FastCap“ zu einem sehr profitablen und schlanken Unternehmen aufgezeichnet. Das hat er auf 21 Kapitel aufgeteilt, wobei es zu Beginn erstmal darum geht, wie er gelernt hat, was „LEAN“ tatsächlich bedeutet. Einige meiner Kollegen empfanden die Geschichte sehr amerikanisch. Gut, Paul ist Amerikaner und die Firma ist in Bellingham Washington. Natürlich ist das Buch und alles im Zusammenhang damit sehr amerikanisch. Jedoch hat Paul bei seinen regelmäßigen Besuchen in Japan, sehr viel von dort mitgebracht: Respekt, Wertschätzung, schlankes Denken. Das, woran viele Unternehmen bei der Einführung von LEAN Denken scheitern, ist die Erkenntnis, dass es um die Zusammenarbeit geht. Es geht um die Menschen und nicht um die Programmierung von Arbeitskräften. Wie schreib Paul so schön auf seinem Buch Deckel: Wie man Menschen fördert, eine Lean-Kultur aufzubauen (und Spaß dabei hat). Paul schafft es in dem Buch das Eis zu brechen. Es geht erst mal nicht um Spagetti-Diagramme, um Methoden und all die Fachbegriffe. Es geht darum Verschwendung zu erkennen, es einfach zu halten und alle, wirklich alle im Unternehmen mitzunehmen. Sätze wie „Nutze Deinen Kopf und nicht Deinen Geldbeutel“, oder „Ändere was Dich nervt“ prägen das Gesamtwerk. Es ist am Ende die Erkenntnis, dass jeder zu einem sehr wichtigen Teil des Unternehmens werden kann, wenn er es zuläßt sich selbst zu verbessern. Menschen fördern, sich selbst weiterzuentwickeln – das ist 2 Second LEAN. Aber woher kommt jetzt der Titel? Einfach. Paul war es wichtig, das seine Mitarbeiter jeden Tag kontinuierlich an Verbesserungen arbeiten, also hat er die Masslatte so niedrig gemacht, dass sie wirklich jeder erreichen kann. Das führt dazu, dass die Kollegen durch einfache kleine Verbesserungen jeden Tag ihr Arbeitsumfeld ein kleines Bisschen besser machen. Das sind in einem Jahr ca. 250 Verbesserungen pro Mitarbeiter! Ein Morgentreffen wie Paul es bei FastCap eingeführt hat, läßt die Mitarbeiter auf Augenhöhe wachsen und sie lernen das Unternehmen aus der Perspektive des Kunden zu sehen. Es reicht eben nicht einfach nur dieses Buch zu lesen, um dann sein Unternehmen schlank und erfolgreich zu machen. Eigene Erfahrungen machen und sich mit dem eigenen Unternehmen und den Menschen darin auseinander setzten. Gemeinsam, täglich und mit der nötigen Beharrlichkeit die Probleme der Kunden lösen.

Über 100 LEAN-Praktiker aus allen Teilen der Welt haben sich in Windeck getroffen.
Paul Akers bei Stommel Haus.

Das Netzwerk von „LEAN-Maniacs“ im sehr positiven Sinn, ist einfach unbezahlbar. Nach dem ich auf dem „Global Lean Leadership Summit 2018“ in Windeck, Deutschland viele dieser Praktiker kennenlernen durfte, konnten wir Paul Akers selbst in Eischeid bei Stommel Haus begrüßen. Paul ist selbst Teil des Netzwerkes und er ist ein lebendiges Beispiel für das was er in seinem Buch beschreibt. Wie er selbst gerne zitiert: Man kann niemand etwas beibringen, man kann nur vormachen wie man selbst es macht. Was man dann daraus macht, hat man nur selbst in der Hand. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich bei Paul für seine großzügige Unterstützung und die vielen sehr guten Beispiele bedanken! Dieses Buch hat tatsächlich mein Leben verändert.

Sag es einfach.

Organisation kann so einfach sein, dass selbst Kinder sie beherrschen.

Es gibt Organisationen, die bestehen zu 100 Prozent aus Hochschulabsolventen und/oder ambitionierten Autodidakten. Dort ist das Umfeld für Agilität, Umdenken und kontinuierliche Verbesserung sehr viel kritischer, jedoch auch allgemein zugänglicher. Soll heißen, man kann komplizierte Methoden und Denkweisen erfolgreicher und schneller vermitteln. In Unternehmen, in denen das aufgeteilt ist in z.B. 30% Akademiker, 60% mit Mittlerem Schulabschluss nebst anschliessender Berufsausbildung und 10% Menschen mit Lernschwäche oder gar Analphabetismus (beides leider sehr tabuisierte Themen), stellt sich mir die Frage: Wo treffen sich alle? Das sehr löbliche und zugleich zwingende Ziel bei der Einführung von „Lean“ ist nunmal ALLE mit einzubeziehen.

Im Fußball gibt es sehr kluge Taktiken. Wenn eine Mannschaft angreift, spielen die Defensiven offensiv mit nach vorne. Maximale Kraft nach vorne. Wenn das Team verteidigt, arbeiten die Stürmer als Verstärkung in der Abwehr mit. Maximale Abwehr. Spannend wird es, wenn es dann zum Umschaltspiel kommt. Das gegnerische Team hat einen Fehler gemacht, und es ergibt sich die Chance zu kontern. Jetzt hat die Offensive die Möglichkeit aus der eigenen Hälfte heraus ein Tor zu erzielen. Sie haben sich quasi den Ball am eigenen Strafraum abgeholt. Zu Zeiten von Gerd Müller oder Paul Breitner gab es das noch nicht. Da hat der Stürmer 90 Minuten im Strafraum des Gegners gewartet und solange gebrüllt, bis ihm jemand den Ball vor die Füße gespielt hat. Das wäre heutzutage undenkbar.

Wenn im Unternehmen die 10% dort abgeholt werden müssen, wo sie stehen, und wenn auf dem Weg die 60% mitgenommen werden, dann haben die 30% einen wirklich guten Job gemacht. Dafür ist es jedoch notwendig Kommunikation einfach zu halten. Auf diesem Weg können auch die 30% von den restlichen 70% vieles lernen, das ist ein sehr schöner Nebeneffekt. Oft sorgt das für die notwendige „Erdung“. Weniger Fachchinesisch, weniger Business-Theater und mehr ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe. Wenn man mit einem Kind spricht, neigt man als Erwachsener auch dazu sich hinzuknien, damit man dem Kind in die Augen schauen kann. Tut man das nicht, straft der Knirps den Erwachsenen nicht selten mit Nichtbeachtung. Dies ist keine Respektlosigkeit, er fühlt sich einfach nicht angesprochen.

Vielleicht ist es einfacher, die „Einfachen“ mit einfachen Worten zu erreichen? Ein Wortspiel, dass zum Schmunzeln einlädt. Bis ich selbst verstanden habe, dass einfach nicht gleich „dumm“ ist, sondern „unkompliziert“ bedeuten kann, ist auch eine Weile vergangen.

Es sind nicht die Methoden, die das Unternehmen agil, wendig und wertschöpfend machen. Es sind die Menschen, die gelernt haben die Methoden anzuwenden.

Ich habe oft den Fehler gemacht, dass ich in der Fülle des gelernten abgetaucht bin. Förmlich ersoffen! Ich habe hunderte Lean-Videos aufgesaugt, höre monatlich mindestens ein Hörbuch, lese ein Buch nach dem anderen und täglich Artikel oder Beiträge im Internet. Meine Frau klagt nicht selten über den Konsum von Wissen oder Erfahrungen, da dies ja auch Zeit beansprucht. Diese Zeit nehmen sich die wenigsten. Einer meiner Mentoren riet mir, nicht von anderen zu verlangen genau so wissbegierig zu sein. Er schlug vor das gelernte zu analysieren und in „Einfach“ zu übersetzten.

Moment, wie soll das funktionieren, ohne dass dabei Inhalt auf der Strecke bleibt? Naja, manchmal funktioniert es, manchmal leider nicht. Man lernt selbst die Dinge nicht unnötig zu verkomplizieren und stellt mit Erschrecken fest, wie ausgesprochen schwierig das zum Teil ist.

Wenn man verbal einen Schritt auf die Kollegen zugeht, reagieren diese offener auf Anregungen oder Ideen. Wenn man die Methode mit einer Fussballtaktik erklärt, stehen die Chancen gut, dass zumindest die „Schalke-Fraktion“ im Team „an Bord“ ist. Mit jedem einzelnen, den man auf dem Weg vom Strafraum zum Tor einsammelt, erhöht sich die Chance das Spiel zu gewinnen. Wer sich wundert, dass bei Ausdrücken wie Lean, KPI, Scrum, Shopfloor, Gemba oder Poke Yoke jemand mit den Augen rollt, der sollte darauf mit Verständnis reagieren. Die Annahme, dass dein Gegenüber über exakt das gleiche Vokabular inklusive dazugehörigem Wissen verfügt, ist sehr vermessen.

Also: wer es schafft die Unternehmensziele, Prinzipien, Projektinhalte oder Lean Methoden so zu formulieren, dass ein achtjähriges Kind sie versteht, der wird möglicherweise von ALLEN gehört. Ich behaupte nicht, dass diese Übersetzung leicht ist. Immer wenn es mir persönlich gelingt, ist die Resonanz überwältigend, und die Anerkennung durch mein Gegenüber für diese Sensibilität wirkt nachhaltig:

Ich gehöre einfach zu SEINEM Umfeld dazu, und das bedeutet, ich habe Zugang zu meinem Gegenüber.