Sag es einfach.

Organisation kann so einfach sein, dass selbst Kinder sie beherrschen.

Es gibt Organisationen, die bestehen zu 100 Prozent aus Hochschulabsolventen und/oder ambitionierten Autodidakten. Dort ist das Umfeld für Agilität, Umdenken und kontinuierliche Verbesserung sehr viel kritischer, jedoch auch allgemein zugänglicher. Soll heißen, man kann komplizierte Methoden und Denkweisen erfolgreicher und schneller vermitteln. In Unternehmen, in denen das aufgeteilt ist in z.B. 30% Akademiker, 60% mit Mittlerem Schulabschluss nebst anschliessender Berufsausbildung und 10% Menschen mit Lernschwäche oder gar Analphabetismus (beides leider sehr tabuisierte Themen), stellt sich mir die Frage: Wo treffen sich alle? Das sehr löbliche und zugleich zwingende Ziel bei der Einführung von „Lean“ ist nunmal ALLE mit einzubeziehen.

Im Fußball gibt es sehr kluge Taktiken. Wenn eine Mannschaft angreift, spielen die Defensiven offensiv mit nach vorne. Maximale Kraft nach vorne. Wenn das Team verteidigt, arbeiten die Stürmer als Verstärkung in der Abwehr mit. Maximale Abwehr. Spannend wird es, wenn es dann zum Umschaltspiel kommt. Das gegnerische Team hat einen Fehler gemacht, und es ergibt sich die Chance zu kontern. Jetzt hat die Offensive die Möglichkeit aus der eigenen Hälfte heraus ein Tor zu erzielen. Sie haben sich quasi den Ball am eigenen Strafraum abgeholt. Zu Zeiten von Gerd Müller oder Paul Breitner gab es das noch nicht. Da hat der Stürmer 90 Minuten im Strafraum des Gegners gewartet und solange gebrüllt, bis ihm jemand den Ball vor die Füße gespielt hat. Das wäre heutzutage undenkbar.

Wenn im Unternehmen die 10% dort abgeholt werden müssen, wo sie stehen, und wenn auf dem Weg die 60% mitgenommen werden, dann haben die 30% einen wirklich guten Job gemacht. Dafür ist es jedoch notwendig Kommunikation einfach zu halten. Auf diesem Weg können auch die 30% von den restlichen 70% vieles lernen, das ist ein sehr schöner Nebeneffekt. Oft sorgt das für die notwendige „Erdung“. Weniger Fachchinesisch, weniger Business-Theater und mehr ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe. Wenn man mit einem Kind spricht, neigt man als Erwachsener auch dazu sich hinzuknien, damit man dem Kind in die Augen schauen kann. Tut man das nicht, straft der Knirps den Erwachsenen nicht selten mit Nichtbeachtung. Dies ist keine Respektlosigkeit, er fühlt sich einfach nicht angesprochen.

Vielleicht ist es einfacher, die „Einfachen“ mit einfachen Worten zu erreichen? Ein Wortspiel, dass zum Schmunzeln einlädt. Bis ich selbst verstanden habe, dass einfach nicht gleich „dumm“ ist, sondern „unkompliziert“ bedeuten kann, ist auch eine Weile vergangen.

Es sind nicht die Methoden, die das Unternehmen agil, wendig und wertschöpfend machen. Es sind die Menschen, die gelernt haben die Methoden anzuwenden.

Ich habe oft den Fehler gemacht, dass ich in der Fülle des gelernten abgetaucht bin. Förmlich ersoffen! Ich habe hunderte Lean-Videos aufgesaugt, höre monatlich mindestens ein Hörbuch, lese ein Buch nach dem anderen und täglich Artikel oder Beiträge im Internet. Meine Frau klagt nicht selten über den Konsum von Wissen oder Erfahrungen, da dies ja auch Zeit beansprucht. Diese Zeit nehmen sich die wenigsten. Einer meiner Mentoren riet mir, nicht von anderen zu verlangen genau so wissbegierig zu sein. Er schlug vor das gelernte zu analysieren und in „Einfach“ zu übersetzten.

Moment, wie soll das funktionieren, ohne dass dabei Inhalt auf der Strecke bleibt? Naja, manchmal funktioniert es, manchmal leider nicht. Man lernt selbst die Dinge nicht unnötig zu verkomplizieren und stellt mit Erschrecken fest, wie ausgesprochen schwierig das zum Teil ist.

Wenn man verbal einen Schritt auf die Kollegen zugeht, reagieren diese offener auf Anregungen oder Ideen. Wenn man die Methode mit einer Fussballtaktik erklärt, stehen die Chancen gut, dass zumindest die „Schalke-Fraktion“ im Team „an Bord“ ist. Mit jedem einzelnen, den man auf dem Weg vom Strafraum zum Tor einsammelt, erhöht sich die Chance das Spiel zu gewinnen. Wer sich wundert, dass bei Ausdrücken wie Lean, KPI, Scrum, Shopfloor, Gemba oder Poke Yoke jemand mit den Augen rollt, der sollte darauf mit Verständnis reagieren. Die Annahme, dass dein Gegenüber über exakt das gleiche Vokabular inklusive dazugehörigem Wissen verfügt, ist sehr vermessen.

Also: wer es schafft die Unternehmensziele, Prinzipien, Projektinhalte oder Lean Methoden so zu formulieren, dass ein achtjähriges Kind sie versteht, der wird möglicherweise von ALLEN gehört. Ich behaupte nicht, dass diese Übersetzung leicht ist. Immer wenn es mir persönlich gelingt, ist die Resonanz überwältigend, und die Anerkennung durch mein Gegenüber für diese Sensibilität wirkt nachhaltig:

Ich gehöre einfach zu SEINEM Umfeld dazu, und das bedeutet, ich habe Zugang zu meinem Gegenüber.

Wie „Hände trocknen“ das Leben verändern kann

Im folgenden Video erklärt Joe Smith, wie man besonders effektiv die Hände trocknet. Jetzt denkt manch einer: Was ist da bitte besonders toll dran? Ganz einfach. Genau, er zeigt mit welchen einfachen Mitteln man enorm viel bewegen kann, wenn sich alle einfach nur mal den Prozess im ganzen anschauen. Wenn man sich mal vor Augen führt, wie oft man sich am Tag die Hände wäscht und man mit einer einfach Änderung des Prozesses statt 4 nur noch ein Tuch benutzt. Das spart in einem Leben ein Vermögen an Papier. Papier das so nicht mehr benötigt wird und dadurch zu Müll und Verschwendung wird. Viel Spaß beim Anschauen!